"Perfekt bis in die Fußspitzen"

Die fünfte Jahreszeit hat gestern begonnen. Auch in Ludwigshafen freuen sich die Narren auf die bevorstehende Fasnacht - und besonders auf die Gardetänze. Dass hinter den Kleidern, Perücken und der Schminke aber mehr steckt, als der erste Blick verrät, zeigt ein Besuch beim Training der Jugendgarde der KG Klotzgrumbeer in Rheingönheim.



"Hände auf den Rücken - drei, vier - Stopp, so geht das noch nicht, nochmal von vorne!" ruft Trainerin Mandy Getto und versucht dabei, die laute Popmusik aus den Boxen zu übertönen. Vor ihr wuseln die elf kleinen Tänzerinnen der Jugendgarde der Karnevalsgesellschaft (KG) Klotzgrumbeer zurück auf ihre Plätze. Bis zum ersten Auftritt beim Ordensfest ist nicht mehr viel Zeit, also Hände an die Taille, lächeln und nochmal von vorn: "Eins, zwei, drei, vier - eins, zwei drei, vier", klatscht und zählt Getto zur Musik, während die Gardetänzerinnen auf ihren Turnschläppchen Schritt für Schritt der einstudierten Choreografie hinlegen.

Vier Tanzgruppen gibt es bei der Rheingönheimer KG Klotzgrumbeer, einem von insgesamt 14 Ludwigshafener Karnevalsvereinen. Rund 50 Tänzer sind in Rheingönheim aktiv, die Jüngsten sind kaum drei Jahre alt. In schwarz-weiß-glitzernden Uniformen und mit dunklen geflochtenen Perücken werden sie bei den kommenden Prunksitzungen auf der Bühne ihre Marsch- und Schautänze vor großem Publikum präsentieren.

Wer sich jetzt beim Gedanken an Elferräte, Polonaisen, fedrige Dreispitz-Hüte, Büttenreden und ausgelutschte Kalauer bis zum Aschermittwoch am liebsten verbarrikadieren will, der gewinnt beim Trainingsbesuch der Klotzgrumbeeren schnell einen ganz anderen Eindruck vom närrischen Treiben. Denn für die jungen Gardetänzerinnen, die sich jeden Montagabend für eine Stunde zum Training im kleinen Gymnastikraum in Rheingönheim treffen, geht es vor allem um eines: das Tanzen. Und den Spaß am gemeinsamen Bewegen sieht man ihnen wirklich an.

Da ist zum Beispiel Dakota, die schon seit vier Jahren in der Jugendgarde tanzt und die gesamte, rund drei Minuten dauernde und ziemlich anstrengende Choreografie über energisch einen Schritt nach dem anderen tut. Die Schautanz-Choreografie beherrscht sie bis in die Fußspitzen perfekt und das große Dauergrinsen in ihrem Gesicht verrät, wie viel Spaß sie beim Tanzen hat. "Ich find's toll, dass man sich beim Gardetanz so viel bewegt", sagt die siebenjährige Rheingönheimerin und hüpft munter von einer Seite des Raumes zur anderen und wieder zurück. Ein echtes Energiebündel, wenn man so will. Auf den ersten Auftritt dieses Jahr freut sie sich schon riesig: "Ich bin schon ganz schön aufgeregt", sagt sie.

Und das geht auch den anderen Mädchen so: "Schon Wochen vor dem ersten Auftritt werden sie ungeduldig, freuen sich auf die Kostüme und wollen endlich auf die Bühne", erklärt Corinna Seelinger (37). Sie hat die Jugendgarde lange trainiert und ist heute zum Zuschauen zum Training gekommen. Im vergangenen Jahr hatte sie das Zepter an die 25-Jährige Getto, ihre damalige Co-Trainerin, übergeben und widmet sich jetzt besonders den anderen drei Tanztruppen und Solisten der KG. Seelinger war lange Zeit Gardetänzerin, hat eine klassische Ballettausbildung absolviert und schließlich Latein auf Leistungsniveau getanzt. Der Gardetanz aber liegt ihr im Blut: Vater Gregor leitet seit über 20 Jahren die KG und sitzt im Großen Rat, auch Mutter Elisabeth macht jedes Jahr aufs Neue beim närrischen Treiben mit. "In die Fasnacht wird mein hineingeboren", glaubt Corinna Seelinger.

Auf die Mädels der Jugendtruppe jedenfalls sind beide Trainerinnen stolz: "Sie haben die Choreografie wirklich gut gemeistert und tolles geleistet", sagt Seelinger. Für die närrische Saison seien sie gut vorbereitet. Auch Getto zeigt sich mächtig beeindruckt von den Tänzerinnen: " Sie haben ihre Leistung immer wieder gesteigert - das war toll mitanzusehen."

Dass es bei den Klotzgrumbeeren dann schließlich doch um noch viel mehr als glitzernde Kostüme, Karnevalsschlager und sogar das Tanzen geht, zeigt ein Blick auf die Jugendgarde. "Hier tanzen Mädchen aus neun verschiedenen Nationen zusammen", sagt Seelinger. "Sie kommen aus Kroatien, der Türkei, aus Polen." Über das gemeinsame Tanzen fänden sie zusammen. "Das ist schon ein Stück gelebte Integration", sagt Seelinger - oder getanzte, besser gesagt. Die kommt auch gut bei den Mädels an: "Man hat hier immer viel Gesellschaft", sagt die achtjährige Julia aus Rheingönheim. "Wir singen zusammen und haben immer viel Spaß."

Zum Schluss der Trainingsstunde setzen die elf Gardemädchen nochmal ihr schönstes Lächeln auf. "Rechts um", ruft Getto und ihre Mädels drehen sich elegant um 45 Grad. Mit angehaltenem Atem und angespanntem Körper warten sie auf das letzte Kommando: "Und Ausmarsch, bitte."